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Russische Wissenschaftler finden Verbindung zwischen Selbstmorden und „Homo-Propaganda“-Verbot

veröffentlicht um 23.10.2012, 07:20 von Regina Elsner   [ aktualisiert 23.10.2012, 08:07 von W K ]

Izvestia.ru (23.10.2012): Wissenschaftler des Instituts für Psychologie der Russischen Akademie der Wissenschaften sind überzeugt, dass die erlassenen Gesetze gegen die „Propaganda von Homosexualität“ zu einem Anstieg der Selbstmordfälle unter Jugendlichen führen.

Der Erlass der Gesetze, welche die Propaganda von Homosexualität begrenzen sollen, verhindert, dass in den Schulen die notwendige Informationsarbeit unter Jugendlichen geleistet werden kann und so die Selbstmordrate unter Jugendlichen rapide ansteigen wird – davon gehen Forscher des Instituts für Psychologie der Russischen Akademie der Wissenschaften aus. Darüber hinaus würde in Russland einen Generation von Menschen heranwachsen, die grundsätzlich intolerant gegenüber sexuellen Minderheiten eingestellt wäre.

Die Gesetzesinitiativen, welche die Propaganda von Homosexualität (in einem Atemzug mit Pädophilie) einschränken wollen, sind in den russischen Regionen bereits weit verbreitet. Ein entsprechendes Gesetz wurde in St. Petersburg, Samara, Magadan, Novosibirsk und weiteren Bezirken Russlands erlassen. Eine ähnliche Initiative wird in Moskau vorbereitet, regelmäßig kommt es außerdem zu Versuchen, ein gleichlautendes Gesetz auf föderaler Ebene einzuführen. Dabei werden den Personen, welche Homosexualität oder Pädophilie „reklamieren“, Geldstrafen im Rahmen des Verwaltungsrechts angedroht.

Das gesetzliche Vorgehen war zuvor bereits von Wissenschaftlern bewertet worden, allerdings in erster Linie aus moralischer und ethischer Hinsicht. Die Forscher des Instituts für Psychologie setzten sich nun mit der Wirkung auf die Gesundheit der jungen Generation auseinander.

„Jugendliche, die anfangen ihre Homosexualität zu begreifen, wehren sich verzweifelt dagegen. In diesem Zusammenhang kommt es zu zahlreichen Nervenzusammenbrüchen und Selbstmordversuchen. Das Erkennen der eigenen Homosexualität führt bei Jugendlichen zu einer um das fünf- bis sechsfache gesteigerten Selbstmordwahrscheinlichkeit im Vergleich mit anderen Jugendlichen,“ so Dr. Elena Sergienko, Professorin und Leiterin des Labors am Institut für Psychologie. Nach ihren Worten sind die Nervenzusammenbrüche nicht nur auf soziale Faktoren zurück zu führen, also etwa auf die Ablehnung der eigenen Individualität durch die Gesellschaft. Hinzu kommt der innere psychische Druck, das „Erkennen der evolutionären Sinnlosigkeit der eigenen Existenz“. Darum brauchen diese Jugendlichen dringend psychologische Unterstützung. Erhalten sie diese nicht, werden tiefe Traumata ausgelöst, welche nach Aussagen der Forscher bis zum Alter von 30-40 Jahren zu nachhaltigen emotionalen Störungen führen können.

Die Aufgabe von Pädagogen und Psychologen an Schulen ist nach Aussage von Sergienko, die Jugendlichen mit homosexuellen Neigungen zu erkennen und die anderen Kinder zu einem toleranten Umgang mit allen Menschen mit besonderen Eigenschaften zu erziehen. „Diese aufklärende Arbeit sollte nicht eher als im Alter von 15 oder 16 beginnen, wenn die entsprechenden Verhaltensmuster offensichtlich werden. Die zeigen sich nicht nur in einem vorrangigen Umgang mit Menschen des eigenen Geschlechts, sondern auch in der gezielten Ablehnung des anderen Geschlechts. Und es gibt andere Anzeichen: Mimik, Gestik, das Unterstreichen von Weiblichkeit. Pädagogen müssen sich demgegenüber unaufgeregt verhalten, ohne vorschnelle Schlüsse. Denn die Festlegung der eigenen sexuellen Identität findet mit etwa mit 22, 23 statt. Deswegen muss man sich vor allem bemühen, zumindest kein Mobbing durch die anderen Kinder zuzulassen. In Ruhe mit ihnen darüber zu sprechen. Darüber hinaus sollten die Schulpsychologen den anderen Lehrern das Wesen dieses Phänomens erklären, den Kindern und deren Eltern helfen. Denn kein einziges Elternteil kann das nicht einfach so akzeptieren, sehr oft ist das eine Tragödie“ – so Sergienko.

Die Durchführung dieser Arbeit mit den Jugendlichen, welche ihre nichttraditionelle Orientierung erkennen, mit ihren Eltern und Mitschülern, wird von den Gesetzen verhindert, welche die Propaganda von Homosexualität verbieten. „Im Kern verhindern sie die Aufklärung, Hilfe und einen humanen Umgang in Beziehung zu Menschen mit anderen Eigenschaften. Hier wird eine prinzipielle Logik verletzt: wenn einem Menschen ein Bein fehlt, zeigen alle Mitgefühl, aber wenn bei einem Menschen eine solche Notsituation passiert, dann ist für Mitgefühl bereits kein Platz mehr,“ bedauert Sergienko. Sie ist sich sicher, dass Lehrer aufgrund der Angst vor einer Anklage entsprechend dem neuen Gesetz das Thema grundsätzlich verschweigen werden.

Eine solche Tabuisierung kann laut der Forscherin große soziale Unannehmlichkeiten zur Folge haben: Es werde eine ganze Generation von Menschen heranwachsen, welche gegenüber sexuellen Minderheiten intolerant ist. Öffentliche Aktionen von Homosexuellen sollten laut dem Institut nicht als Propaganda oder Werbung eingestuft werden: „Aus Perspektive der Psychologie ist das eine soziale Schutzreaktion der Menschen, welche besonders angreifbar geworden sind, ein verzweifelter Ruf ‚Helft uns, drängt uns nicht in diese marginalisierte Position.’“

Die Mehrheit der durch „Izvestia“ befragten Genetiker und Biologen halten sowohl die Propaganda von Homosexualität als auch deren Verbot für sinnlos. Der bekannte russische Biologe Alexander Markov sagte zum Beispiel, dass Homosexualität vererbt wird und durch irgendeine Werbung nicht hervorgerufen werden kann. Ebenso kann man die Entwicklung von einer nichttraditionellen Sexualität durch den Schutz vor Informationen darüber nicht aufhalten.

Es gibt jedoch auch andere Sichtweisen, die den Schutz von Kindern vor jeglicher Information über Homosexualität als notwendig erachten. „Wenn Homosexuelle und Drogenabhängige AIDS zu uns gebracht haben, dann ist Homosexualität grundsätzlich gefährlich. Homosexualität ist nur in kranken Gesellschaften verbreitet, zum Beispiel bei Überbevölkerung oder chronischem Stress usw. In einer kranken Gesellschaft entwickeln sich überhaupt zahlreiche Mutationen und Entwicklungsstörungen, darum gibt es homosexuelle Wesen aus genetischer Sicht nicht nur bei Primaten. Aber das ist noch lange kein Grund, die Kranken, selbst wenn die Krankheit angeboren ist, zu Gesunden zu erklären.“ So äußerte sich der wissenschaftliche Mitarbeiter des Labors für Evolutions-Bioinformatik und theoretische Genetik des Instituts für Zellbiologie und Genetik der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften, Valentin Suslow.

Auch einige Kinderpsychologen, die durch „Izvestia“ befragt wurden, halten die Tabuisierung des Themas Homosexualität in Schulen für berechtigt. „Die ständige Propaganda von Homosexualität, Gespräche darüber usw. scheinen mir überflüssig. Natürlich kann sich diese Propaganda auf die Psyche des Kindes auswirken. Genauso wie Drogen, die Kinder aus Neugier ausprobieren. Wenn das ein Teil der Welt ist, dann ist er interessant und will entdeckt werden,“ erklärte ein Verdienter Wissenschaftler der Russischen Föderation, der für seine Arbeit mit Kindern ausgezeichnet wurde. Der Wissenschaftler wollte nicht namentlich genannt werden, da er kein Fachmann im Bereich Homosexualität ist. Allerdings ist er sich sicher, dass beim ersten Erkennen von bestimmten Neigungen zu so einer Orientierung bei Jugendlichen unbedingt ein Arzt aufzusuchen sei.

Quelle: http://izvestia.ru/news/538232#ixzz2A7iRfP3p

Übersetzung: Quarteera e.V.

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