news‎ > ‎

Umfrage des LGBT-Netzwerks zu Diskriminierungen im Alltag

veröffentlicht um 10.10.2013, 13:31 von Regina Elsner   [ aktualisiert: 10.10.2013, 13:49 ]
Das Russische LGBT-Netzwerk hat die Ergebnisse der anonymen Umfrage unter LGBTs im August 2013 vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen die vielfachen Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung und Genderidentität. An der Umfrage beteiligten sich mehr als 2000 Personen.
Die Umfrage machte deutlich, dass die Diskriminierungen im Jahr 2013 systematischen und umfassenden Charakter haben. Es gibt keine Sphäre der Lebens der russischen Gesellschaft, in der sich LGBT diskriminierungsfrei befinden können.
53% litten unter psychologischer Gewalt, 15% haben physische Gewalt erlebt. 38% der Teilnehmenden berichten von Problemen bei der Arbeitssuche oder im Verhältnis zu ihrem Arbeitgeber aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und/oder ihrer Genderidentität. Das größte Problem stellt dabei der Zwang dar, sich selbst verstecken zu müssen (26%). Weitere Fälle von Alltagsdiskriminierung wurden im Bereich der medizinischen Versorgung, der Elternrechte, der rechtswidrigen Weitergabe von persönlichen Angaben und der rechtswidrigen Verhaftung genannt.
Gleichzeitig ist das Vertrauen von LGBT zu Vertretern der Staatsgewalt äußerst gering (5%). Nur 6% der Befragten haben sich im Fall einer Verletzung ihrer Rechte aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und/oder Genderidentität an die Polizei oder ein Gericht gewandt. 33% geben an, dass sie sich in einem solchen Fall vermutlich an die Polizei wenden würden, 14% davon mit Sicherheit. Die restlichen 45% würden unter keinen Umständen zur Polizei gehen, um für ihre Rechte Schutz zu fordern. Nur etwa die Hälfte der Befragten weiß, an wen man sich bei Fällen von Diskriminierung um Hilfe wenden kann, 15% kannten das LGBT-Vertrauenstelefon.
Die größte Altersgruppe unter den Befragten waren Personen zwischen 18 und 25 Jahren (1000 Personen), ältere Gruppen waren entsprechend weniger vertreten. Wie auch in den Vorjahren nahmen mehr Frauen als Männer an der Umfrage teil. Die Teilnehmenden kamen aus allen sozialen Gruppen der Gesellschaft, von Schülern und Studierenden bis hin zur Armee und staatlichen Einrichtungen. Dies zeigt, dass es in allen Gruppen der gegenwärtigen russischen Gesellschaft LGBT vertreten sind. De meisten Befragten kamen aus den Großstädten Russlands (Moskau, St. Petersburg...), allerdings nahmen auch einige Personen aus dem Fernen Osten und aus der Kaukasusregion teil.
Nur 6% der Teilnehmer berichten, dass sie gänzlich versteckt leben und niemand von ihrer sexuellen Orientierung und/oder Genderidentität weiß. Bei 31% der Befragten wissen es die Freunde. 13% wählten die Antwortmöglichkeit "out für ein Familienmitglied" und "out in der Familie". 6% antworteten, dass sie auch am Arbeite- oder Studienplatz offen leben würden. Diese Zahlen sprechen von einem nach wie vor hohen Maß an Selbstghettoisierung und Selbstzensur von LGBT. Die Angst, sich zu outen, liegt in der Angst vor Diskriminierung begründet. 

Übersetzung: Quarteera e.V.

Comments