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Russische Wissenschaftler gegen Gesetz zum Verbot von „Homo-Propaganda“

veröffentlicht um 10.01.2013, 15:01 von Regina Elsner   [ aktualisiert: 19.01.2013, 02:59 ]

Mehrere führende russische Soziologen haben ein Gutachten zum geplanten russlandweiten Gesetz zum Verbot der soganannten „Propaganda von Homosexualität unter Minderjährigen“ erstellt. Dieses Gutachten wurde den Abgeordneten und politischen Fraktionen des russischen Parlaments zugeschickt, die am 22. Januar in erster Lesung über das Gesetz beraten werden.

Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass das geplante Gesetz den vorhandenen Rechtsnormen widerspricht, massive juristische Mängel aufweist und sich negativ sowohl auf die Minderjährigen selbst als auch auf das soziale Klima in der Gesellschaft auswirkt. Informationen über Homosexualität fügen Minderjährigen keinerlei Schaden zu. Der Zugang zu vollständigen Informationen sei eine notwendige Bedingung für die Formierung eines moralisch und physisch gesunden Menschen – so die Wissenschaftler.

Der Vorsitzende des Russischen LGBT-Netzwerks Igor Kochetkov kommentierte das Gutachten: „Die Aggressionen von Jugendlichen gegenüber gleichaltrigen homosexuellen Jugendlichen ist eine große Gefahr. Die Jugendlichen, die ihre Homosexualität erkennen, brauchen Informationen, damit sie verstehen, wie sie damit umgehen sollen.“

Die Autoren des Gesetzes sehen den Protest der Sex-Minderheit skeptisch, räumen allerdings ein, dass es natürlich die Möglichkeit zur Diskussion und Veränderungen im Gesetzestext gäbe.

Auf das Gutachten reagierte bisher nur die Partei „Gerechtes Russland“. Sie lies verlauten, dass natürlich niemand das Recht habe, homosexuelle Beziehungen zu verbieten, allerdings müssen die bestraft werden, die versuchen, ihre Normen anderen aufdrängen wollen. „In einer demokratischen Gesellschaft ist eine bestimmte Kontrolle von homosexuellem Verhalten notwendig, besonders um eine selbstsüchtige Ausnutzung und Verführung von Personen zu verhindern, die besonders ungeschützt sind,“ so die Partei.

Einer der Autoren des Gutachtens, Dozent für klinische Psychologie an der Petersburger pädiatrischen Medizinakademie Dmitrij Isaev, bescheinigt dem Gesetzentwurf „zahlreiche Unstimmigkeiten“. „Wenn wir davon sprechen, dass Homosexualität keine Krankheit und keine Straftat ist, dann müssen wir sie als Variante der Norm akzeptieren. Aber auf welcher Grundlage sollten wir dann die Propaganda der Norm verbieten können?“ Nach Meinung des Experten ist das Gesetz diskriminierend, und „Kinder werden hier genau so zum Spielball, wie beim sogenannten „Dima-Jakovlev“-Gesetz (Verbot der Adoption russischer Kinder durch amerikanische Eltern als Reaktion auf amerikanische Sanktionen gegen russische Politiker).“  „Die Propaganda der einen oder anderen sexuellen Orientierung ist nicht möglich, sie ist entweder heterosexuell oder homosexuell.“ Diese Position wird auch von der Vorsitzenden der Gender-Komission der Russischen Partei „Jabloko“ Galina Michalewa, geteilt: „Das ist ein weiteres Gesetz, welches Feinde unter den eigenen Mitbürgern herstellt. Solche Gesetze gab es in totalitären Gesellschaften, als Bürger für ein von der Masse abweichendes Verhalten bestraft wurden. Das ist der Weg ins Mittelalter.“

Der Petersburger Abgeordnete Witalij Milonow vermutet, dass das Gesetz für die Masse der Bevölkerung passend ist, in deren Interesse das Parlament handeln muss, und nur denen nicht passt, deren Interessen nicht immer beachtet werden müssen. „Ich denke, der Text sollte zurückhaltend sein, eine detaillierte Bestimmung enthalten und auf föderaler Ebene angenommen werden, damit auf den regionalen Ebenen nicht jedes Mal Widerspruch laut wird, wo die Masse dafür ist und irgendein Jurist, der aus irgendeinem Grund Finanzierung von irgendeiner LGBT-Organisation bekommt, ein Gutachten schreibt, nach dem das Gesetz der Verfassung widerspricht.“

Quelle: http://lifenews.ru/news/109000

Übersetzung: Quarteera e.V.

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