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Polizei in Tjumen verweigert Strafverfolgung nach homophobem Übergriff

veröffentlicht um 29.10.2012, 09:02 von Regina Elsner   [ aktualisiert: 29.10.2012, 09:03 ]

Drei junge Frauen, die am 4. August 2012 Opfer eines Überfalls auf einen LGBT-Club in der westsibirischen Stadt Tjumen wurde, hatten sich um Hilfe an den Juristen der lokalen Abteilung des russischen LGBT-Netzwerks gewandt. Am 4. August waren 4 betrunkene Männer in den in LGBT-Kreisen bekannten Club „Pariser Leben“ eingedrungen, schrien beleidigende Losungen und schlugen wahllos auf die Besucher und die Einrichtung des Clubs ein.

Die informierte Polizei nahm die Angreifer fest und brachte auch die Opfer, welche zu einer Aussage bereit waren, auf die Polizeiwache. Während der Erstellung des Protokolls befanden sich Opfer und Angreifer in einem Raum, den Opfern wurden gedroht, dass man ihnen „die Beine brechen werde, wenn sie eine Anklage schreiben sollten.“

Drei der Opfer machten trotz der Drohungen eine Aussage und forderten eine gerichtliche Strafverfolgung. Die Polizei weigerte sich jedoch, die Strafverfolgung zu beantragen und leitete die Angelegenheit an das örtliche Schiedsgericht weiter, welches durch ein privates Schiedsverfahren über den Sachverhalt entscheiden solle. Die Juristen des LGBT-Netzwerks bereiten eine Beschwerde gegen die verhinderte gerichtliche Strafverfolgung vor. Nach ihrer Meinung liegt in den Handlungen der Angreifer ein Verbrechen vor, welches durch das Gericht untersucht und beurteilt werden müssen, nämlich eine Schlägerei aus Hass und Feindschaft gegenüber einer bestimmten sozialen Gruppe.

Dies ist nicht der erste gewalttätige Übergriff auf friedliche Veranstaltungen der LGBT-community in diesem Jahr. Am 12. März überfielen Unbekannte in St. Petersburg eine Ausstellung von LGBT-KünstlerInnen. Am 12. Juni erlitten LGBT-Aktivisten Verletzungen bei einem Übergriff auf eine genehmigte Demonstration, ebenfalls in St. Petersburg. Am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homophobie, wurden in mehreren Städten LGBT-Aktivisten angegriffen. Und erst am 11. Oktober kam es zu einem Pogrom auf einen Moskauer Club, in dem eine LGBT-Party zum Internationalen Coming-Out Tag stattfand.

Valerij Sozaev, Advocacy-Manager des russischen LGBT-Netzwerks, kommentierte: „Wir warnen schon lange davor, dass die erlassenen Gesetze über die sogenannte „Homo-Propaganda“ eine wachsende Aggressivität gegenüber Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender nach sich ziehen. Das Gesetz ermutigt Vertreter nationalistischer und ultrarechter Organisationen geradezu. Solche Übergriffe bestätigen unsere Befürchtungen.“

Quelle: http://lgbtnet.ru/ru/content/tyumenskaya-policiya-otkazyvaetsya-rassledovat-prestuplenie-na-pochve-gomofobii

Übersetzung: Quarteera e.V.


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