news‎ > ‎

Petersburger Gay-Pride endet mit Gewalt und Verhaftungen

veröffentlicht um 30.06.2013, 22:41 von Regina Elsner   [ aktualisiert: 30.06.2013, 22:47 ]
Die St. Petersburger Gay-Pride am 29. Juni endete mit Gewalt durch orthodoxe und nationalistische Aktivisten und zahlreiche Festnahmen. Die Polizei verhaftete mehrere LGBT-Aktivist/innen auf dem Mars-Feld – dem einzigen Ort der Stadt, wo laut Gesetz Demonstrationen ohne besondere Genehmigung der Stadtverwaltung durchgeführt werden dürfen.
Nach Aussagen der Polizei gingen bei der Stadtverwaltung Beschwerden von Spaziergängern mit minderjährigen Kindern ein, die einen Abbruch der Proteste für LGBT-Rechte forderten. Den ca. 60 friedlichen Demonstrierenden für LGBT-Rechte und gegen Homophobie standen ca. 200 Gegendemonstranten mit Kindern, homophoben Losungen und großer Gewaltbereitschaft gegenüber. Neben fast allen LGBT-Aktivist/innen wurden auch 8 der nationalistischen Randalierer festgenommen, die die Demonstranten angegriffen und mit Eiern, Steinen und Rauchbomben beworfen hatten. Laut Angaben der Gruppe „Hilfe für Verhaftete“ wurden 54 LGBT-Aktivist/innen und 11 Gegendemonstranten festgenommen. Die Verhafteten wurden alle im Laufe des Abends frei gelassen. Ihnen droht eine Anklage wegen "Widerstand gegen die Polizei" und Verletzung des Demonstrationsrechts. Mehrere Aktivist/innen wurden verletzt, einer erlitt eine Gehirnerschütterung, ein Polizeimitarbeiter wurde ebenfalls bei der Festnahme eines radikalen Gegendemonstranten durch Gas am Auge verletzt.

Am Vorabend der Aktion hatte der Abgeordnete Milonow einen Brief an die Staatsanwaltschaft geschickt und darauf verwiesen, dass die Aktion auf dem Mars-Feld gegen das geltende Gesetz verstößt, da zu dieser Tageszeit mit Sicherheit Kinder auf dem Mars-Feld spazieren würden.

Die Organisatoren der Gay-Pride hatten sich bemüht, die Aktion an sechs verschiedenen Orten der Stadt genehmigen zu lassen, alle Orte wurden von der Stadtverwaltung abgelehnt. Jurij Gavrikov, Vorsitzender der LGBT-Organisation „Ravnopravie“ und selbst bei der Aktion verhaftet, berichtete, dass als Grund für die Ablehnung meistens Baumaßnahmen angegeben wurden. Ein Demonstrationszug um das Mars-Feld wurde abgelehnt, da dadurch die gleichzeitig angemeldete „Kissen-Schlacht“ gestört worden wäre.

Übersetzung: Quarteera e.V.

Comments