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Moskau: Lehrer wegen Teilnahme am Protest gegen homophobes Gesetz entlassen

veröffentlicht um 28.01.2013, 07:58 von Regina Elsner   [ aktualisiert 01.02.2013, 00:07 von QUARTEERA.DE // QUEER auf Russisch ]
Dem Moskauer Lehrer Ilja Kolmanowskij wurde gekündigt, nachdem er am 25. Januar an den Protesten gegen das Gesetz zum Verbot der sogenannten "Propaganda von Homosexualität" teilgenommen hatte. Kolmanowskij hatte sich bei dem Protest in eine Diskussion mit Gegendemonstranten eingelassen und versucht zu erklären, dass Homosexualität keine Krankheit sei und eine "Propaganda" von Homosexualität nicht möglich ist, da die sexuelle Orientierung im Mutterleib entsteht. "Ich sagte, dass alle Forschungen zeigen, dass Homosexuelle psychisch normale Menschen sind und die weltweite Wissenschaftler-Gemeinschaft seit langem widerlegt hat, dass es eine Krankheit sei (so wie Linkshändigkeit). Ich habe gesagt, dass ich als Vater und Lehrer eine Gefahr darin sehe, dass unsere Gesellschaft homosexuelle Jugendliche in den Untergrund treibt - das endet häufig mit Selbstmord. Und ich habe auch gesagt, dass das Gesetz darauf abzielt, unter den Menschen Feindschaft zu sähen und unsere ohnehin bereits kaputte Gesellschaft zu spalten." Die Aussagen des Lehrer wurden teilweise aufgezeichnet und später in der Presse auch mit seinem Namen veröffentlicht. In den folgenden Tagen gingen mehrere Klagen bei der Schulleitung ein, in denen sich angebliche Eltern von Schülern beschweren, Kolmanowskij habe sich öffentlich als Schwuler geoutet und seine Kündigung fordern, um die Kinder vor ihm zu schützen. Nach einer ersten zurückhaltenden Reaktion der stellvertretenden Direktorin wurde Kolmanowskij schließlich am 28. Januar vom Direktor gekündigt. Auf die Frage, ob "DIESE Zeiten sich also wiederholen würden" antwortete der Direktor, der selbst die "Reinigung" der Schulen von Dissidenten erlebt hat, dass DIESE Zeiten niemals aufgehört hätten und der Lehrer vorher besser hätte überlegen sollen, wenn er die Schule so vorführt. Kolmanowskij war 18 Jahre lang Lehrer, seit 7 Jahren an diesem Lyzeum.
In seinem Beitrag auf Radio Svoboda schreibt Kolmanowskij: "Ich weiß, dass ich mich für Rechte und Schutz dieser Minderheiten und gegen den Obskurantismus, die Feindschaft, die Teilung der Gesellschaft nach beliebigen Kennzeichen einsetzen musste. Ich muss das auch tun, weil ich nicht schwul bin. Entschuldigt den Pathos: wir müssen Schulter an Schulter diese Menschen schützen, weil wir die nächsten sein werden. Es ist der Moment eingetreten, wo schweigen noch gefährlicher ist, als reden. Wir müssen gemeinsam reden, gleichzeitig, und dann fallen Angst und Hass wie ein Kartenhaus zusammen, und wir kehren zur Schule zurück."

UPD 01.02.2013: Der Direktor der Schule hatte sich am folgenden Tag von den Kündigungs-Gerüchten distanziert und seine eigenen Worte zurückgenommen. An den folgenden Tagen gab es mehrere Elternversammlungen der Schule, in denen eine Initiativgruppe, die zudem den Lehrer nicht persönlich kennt, Unterschriften für die Kündigung sammelte und Druck auf andere Eltern ausübte. Ob Kolamnowskij im Amt bleibt oder nicht ist weiterhin offen.

Übersetzung: Quarteera e.V. 

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