news‎ > ‎

Homophober Schulanfang: Druck auf Lehrer in Russland wächst

veröffentlicht um 08.09.2013, 00:06 von Regina Elsner   [ aktualisiert: 08.09.2013, 01:48 ]
Zum Beginn des neuen Schuljahres in Russland wurden mehrere Fälle bekannt, in denen Lehrer unter den Druck homophober Eltern-Initiativen geraten. In der zentralrussischen Stadt Magnitogorsk wurde die 24-jährige Lehrerin Olga Bachaeva "gebeten", sich zwischen dem Lehrerberuf und ihrem Engagement in der LGBT-Bewegung zu entscheiden. Eine Mutter hatte sich beschwert, dass die Lehrerin auf ihrer Seite im sozialen Netzwerk "vkontakte.ru" den Link zu einem Artikel über LGBT-Rechte gepostet hatte. Daraufhin hätte ihr Sohn zu Hause Fragen zu Homosexualität gestellt. Die Mutter hatte die Staatsanwaltschaft informiert - direkt nachdem Vladimir Putin das Gesetz zum Verbot der sogenannten "Propaganda von nichttraditionellen sexuellen Beziehungen" unterzeichnet hatte. In den Ferien war es in der Frage ruhiger geworden, aber zum Schuljahresbeginn wurde die Lehrerin von der Direktorin gebeten, eine Entscheidung zu treffen zwischen Schuldienst oder LGBT-Aktivismus. Bachaeva entschied sich gegen die Schule und kündigte zum Schuljahresbeginn.
In der Stadt Chabarovsk im Fernen Osten hat eine homophobe Bürgerinitiative begonnen, die Entlassung eines Lehrers zu fordern. Der Geograph Alexander Ermoschkin wurde bereits im Sommer bedroht und auf der Straße von homophoben Jugendlichen angegriffen. Er hatte sich in der Vergangenheit an den öffentlichen Aktionen für LGBT-Rechte - dem Rainbow-Flashmob und dem "Day of Silence" in seiner Heimatstadt beteiligt. Nun wird per Unterschriftensammlung seine Kündigung gefordert. Der Direktor der Schule lehnte eine Kündigung bisher ab, die homophoben Aktivisten wandten sich nun an das Bildungsministerium der Region. Ermoschkin kündigte schließlich selbst am 4.9., nach eigenen Angaben in erster Linie, um den Direktor und seine Familie vor weiterem Druck zu schützen. Sowohl in den Schreiben an offizielle Stellen als auch während der gewaltsamen Übergriffe verwiesen die Gegner des Lehrers auf das Verbot der "Propaganda von Homosexualität". Schüler der Schule haben eine Gruppe im sozialen Netzwerk "vkontakte.ru" gegründet und bringen dort ihre Unterstützung für den Lehrer zum Ausdruck.
Bereits im Januar war in Moskau der Lehrer Ilja Kolmanowskij entlassen worden, weil er sich an einer Protestaktion von LGBT vor dem russischen Parlament beteiligt hatte.

Übersetzung: Quarteera e.V.
Comments