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Dankesbrief aus Moskau

veröffentlicht um 08.09.2013, 04:55 von QUARTEERA.DE // QUEER auf Russisch
Liebe Unterstützer!
Wir danken Euch dafür, dass Ihr am 31. August in Berlin auf die Straße gegangen seid, dass Ihr Eure Unterstützung für die LGBT-Gemeinschaft in Russlands und Eure Kritik an der staatlichen homophoben, diskriminierenden Politik Russlands zum Ausdruck gebracht habt. Diese Unterstützung ist für uns sehr wichtig. Die Morde aufgrund von Homophobie setzen sich fort (vor kurzem wurde ein Dozent in Jekaterinburg ermordet), die Jugendlichen "404" werden weiter in die Enge von Aggression der Umwelt getrieben und haben keine Möglichkeit, positive Informationen über sich selbst zu bekommen, lesbische Paare mit Kindern haben Angst, ein Wort zu viel zu sagen, da die Wahrscheinlichkeit von Verurteilungen und Erschwernissen in ihrem alltäglichen Leben und dem ihrer Kinder immer größer wird. Die gesellschaftliche Atmosphäre wird immer düsterer. Mit dem Näherrücken der Olympischen Spiele wird die Verdorbenheit des gegenwärtigen Regimes immer offensichtlicher. Das betrifft nicht nur LGBT, sondern auch andere Bevölkerungsgruppen. Am 30. August sind wir zu einer Demonstration gegen den Bau von neuen Konzentrationslagern für Migranten auf die Straße gegangen. Am 31. August haben sich einige Vertreter von LGBT-Organisationen in Moskau getroffen, um ihre Anstrengungen zu koordinieren und zu vereinigen im Kampf gegen den wachsenden Faschismus in der russischen Gesellschaft. Andere Menschen sind am 31. August auf den Triumph-Platz in Moskau gegangen zur traditionellen Demonstration der "Strategie-31". Russische Bürger haben keine Versammlungsfreiheit, obwohl der 31. Artikel der Verfassung der Russischen Föderation diese Freiheit garantiert. Die selbsternannten Machthaber engen schrittweise die Freiheit weiter ein und erweitern das Feld für Willkür. Sie nehmen den Bürgern die gesetzmäßigen Rechte und Freiheiten, teilen die Menschen nach willkürlich definierten Zugehörigkeiten und zwingen sie in ein Ghetto. Sie tragen einen bewussten Kampf gegen das eigene Volk aus, nehmen ihm die Möglichkeit, den Lebensunterhalt zu verdienen, stellen unerträgliche Bedingungen einer Existenz in Armut her, in der alle Kraft auf das reine Überleben gerichtet sind. Es bleibt keine Kraft für den Kampf gegen die willkürliche Macht. Eben deshalb ist Eure Unterstützung so wichtig. Ihr habt Meinungsfreiheit. Und wir sind überzeugt, dass Euer Wort in unseren Machtstrukturen gehört wird.
Wir dürfen nicht aufgeben! Die Völker Europas können nicht zulassen, dass an ihrer Seite ein neuer faschistischer Staat heranwächst. Die Diskriminierung einzelner Bevölkerungsgruppen ist ein Anzeichen für die braune Pest, die auf andere Länder übergreifen kann. Es gibt keinen lokalen Faschismus. Das Übergehen menschlicher Rechte betrifft unbedingt alle Menschen. In Fragen des Rechts gibt es keine Trennung nach arm oder reich, weiß oder rot, Männer oder Frauen. Jede Person ist wertvoll, jede Stimme wird gehört- Und wenn man uns hier in Russland nicht erlaubt, unser kategorisches NEIN zur Diskriminierung von Menschen zu sagen, dann sagt Ihr es für uns. Wir sind uns sicher, dass Eure Stimme nicht ohne Antwort bleibt.

Olgerta Kharitonowa, Kultur-Bildungsprojekt "Ostrow"
Alena Korolewa, Marina Georgiewna, Pavel Samburow, Andrej Obolenskij - "Rainbow-Association" 
Moskau

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