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5. LGBT-Filmfestival "Side-by-Side" prämiert Filmkunst und Mut

veröffentlicht um 06.11.2012, 11:09 von Regina Elsner
Am 3. November 2012 endete in St. Petersburg das 5. LGBT-Filmfestival „Side-by-Side“ mit einer Abschlusszeremonie und der Vergabe der Preise. Als abschließender Film wurde der kubanische Spielfilm „Night“ der Regisseurin Lucy Mulloy sowie eine Sammlung von internationalen Kurzfilmen gezeigt. Bei der Feier im Hotel „Angleterre“ berichtete die Jury, bestehend aus der Kinokritikerin Lidia Maslowa, der Jounalistin Olga Lipowskaja und dem Festival-Kurator Michail Schelesnikov, über ihre Arbeit und verkündete die Preisträger.

Den „Bobik“ für den besten Spielfilm erhielt der Regisseur Oliver Hermanus für seinen Film „Beaty“ (Südamerika, Frankreich, Deutschland 2011) für „den Mut bei der Erforschung der männlichen Sexualität“. Als bester Dokumentalfilm wurde der ugandische Film „Call me Kuchu“ (Uganda/USA 2012) gekürt. Bester Kurzfilm wurde „La Duche“ des chilenischen Regisseurs Maria Jose San-Martin (Chile 2011). Die Jury betonte dabei besonders die „eindrückliche und feinfühlige Darstellung der Dramatik menschlicher Beziehungen.“ Besondere Erwähnung fanden  die Filme „För dig naken“ der schwedischen Regisseurin Sara Broos, „I’m a woman now“ des Niederländers Michil van Erp („für den begeisternd schönen Film über schöne Frauen“), der chilenische Kurzfilm „Blokes“ von Mariali Rivas sowie der russische Kurzfilm „Altar’ Innany“ von Rinat Minnechanow. Der russische Film wurde besonders hervorgehoben für seine „Tiefe der Darstellung der Kraft und Vielseitigkeit der menschlichen Liebe und für den Mut des jungen Regisseurs, ein problematisches Thema unter den Bedingungen der wachsenden Homophobie in der Gesellschaft zu erschließen.“

Den Publikumspreis erhielt der britische Film „Codebreaker“ über das tragische Schicksal des Computer-Genies Alan Turing.

Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr ein besonderer Preis für mutiges öffentliches Eintreten für LGBT-Rechte in Russland vergeben. Die Preisträger wurden in einer Internet-Abstimmung gewählt. Den Preis erhielten der St. Petersburger Politiker Maxim Resnik, die Punk-Band „Pussy Riot“ und die Zeitschrift „Bolschoj Gorod“. Alle drei Preisträger hatten sich mehrfach in politischer, künstlerischer oder journalistischer Form zu der wachsenden gesellschaftlichen Homophobie und gegen die erlassenen homophoben Hass-Gesetze geäußert.

 

Das Filmfestival dauerte 10 Tage, an vier Veranstaltungsorten wurden 37 Filme aus 20 Ländern gezeigt. 2000 Besucher wurden gezählt – ein Rekord für das Jubiläums-Festival. Zum ersten Mal wurde eine Sammlung von einheimischen Kurzfilmen gezeigt, außerdem wurde das Festival zum ersten Mal von politischen Diskussionen über die Lage von LGBT in verschiedenen Ländern und die Bedeutung vom „Outing“ von Personen des öffentlichen Lebens begleitet

 

Das Filmfestival fand auch großes internationales Interesse. So nahmen neben den eingeladenen Gästen auch Vertreter des Hamburger LSVD und der Hirschfeld-Eddy-Stiftung sowie weitere Teilnehmer der diesjährigen Menschenrechts-Konferenz der Hirschfeld-Eddy-Stiftung an einzelnen Veranstaltungen teil. In den kommenden Monaten werden die Festival-Organisatoren mit ausgewählten Filmen Sondervorführungen in St. Petersburg und Russland durchführen.

 

Quellen: http://www.bok-o-bok.ru/default.asp?lan=2

Übersetzung: Quarteera e.V.

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