Eine LSVD-Studie zur Lebenssituation von Lesben und Schwulen mit Migrationshintergrund


Eine neue LSVD-Studie zum Thema: "Doppelt diskriminiert oder gut integriert? Zur Lebenssituation von Lesben und Schwulen mit Migrationshintergrund" von Prof. Melanie Steffens (Universität Jena) ist im April 2010 erschienen. 

Für Deutschland gab es bisher keine umfassenden empirischen Studien über Lebenssituation, Probleme und deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Lesben und Schwulen mit Migrationshintergrund. Mit der vom LSVD in Auftrag gegebenen Untersuchung liegt nun die erste systematische und differenzierte Studie über die Lebenssituation lesbischer Migrantinnen und schwuler Migranten in Deutschland vor. 

Die Ergebnisse zeigen eine von großer Vielfalt und hoher Problemlösungskompetenz gekennzeichnete Gruppe, die aber besonderen Diskriminierungsrisiken ausgesetzt ist. Ein großes Problem ist das Coming-out. Die Studie zeigt, dass der Anteil der offen lebenden Lesben und Schwulen in der Gruppe mit Migrationshintergrund signifikant geringer ist. 

Als besonderer Problemkreis erweist sich die Situation in den Familien. Die Eltern reagieren negativer, die Partnerschaften werden weniger akzeptiert. Viele der Befragten gaben an, zugunsten der Familie auf ein offenes Leben als Lesbe oder Schwuler zu verzichten. Das Diskriminierungsrisiko vergrößert sich, wenn die Familie aus einem Land kommt, das von starker Homophobie geprägt ist. Das Risiko sinkt, wenn die Familie Kontakt zu Familien ohne den eigenen Migrationshintergrund hat.

Auffällig ist, dass die Befragten in Deutschland häufiger Diskriminierungen auf Grund der Homosexualität erlebten, als Diskriminierungen aufgrund ihrer Herkunft. Das ist angesichts der vielfach belegten Probleme durch rassistische Diskriminierung in Deutschland ein gravierender Befund. Zudem wurden die Diskriminierungen wegen der sexuellen Identität als belastender eingeschätzt.

Fazit der Studie:

"Migrationshintergrund ist ein Risikofaktor: für geringe Lebenszufriedenheit, schlechtere Gesundheit, ein wenig positives Selbstbild und die Verfügbarkeit von sozialer Unterstützung von Lesben und Schwulen, wenn sie aus Ländern mit starken Repressalien gegenüber Homosexuellen stammen und ihre Eltern in Deutschland wenig integriert sind. Diese Personengruppe kann der Familie gegenüber nicht offen homosexuell leben und/oder macht in diesem Zusammenhang sehr negative Erfahrungen bis hin zu Gewalt. Eine misslungene Integrationspolitik wird auf dem Rücken dieser Personen ausgetragen, die in zwei miteinander unvereinbaren Subkulturen leben - schwul-lesbische vs. migrantische."



Download LSVD-Studie Steffens

Kurzfassung der Ergebnisse



http://www.migrationsfamilien.de/studie_steffens.html
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